Die bescheuertsten Sprüche, die wir uns bis jetzt anhören durften

Mit drei Kindern fällt man einfach auf. Wenn wir mit unserem Zwillingskinderwagen mit angehängtem Tritt für den großen durch die Stadt laufen, geht es kaum anders: „Schuldigung, dürfte ich mal durch...?“.

 

Oft kommt man mit den Menschen ins Gespräch. Meistens sind es wirklich nette Gespräche. Aber hin und wieder klappt mir die Kinnlade runter: Manche Menschen sind einfach dreist. Und fies. Ob bewusst oder unbewusst, kann ich nicht immer sagen.

 

Oft überhört man das, aber ein paar Sätze bleiben hängen. Entweder weil sie echt unter die Gürtellinie gehen oder einfach immer wieder vorkommen. Hier sind meine „Lieblings-„beispiele:

 

      „Mir wird das heute zu viel. Ich schaff es heute nicht vorbeizukommen, kommt ihr doch einfach!“

 

Klar, gar kein Problem. Wirklich. Das wäre auch wirklich zu viel von dir verlangt, dich alleine ins Auto zu setzen und kurz vorbeizukommen. Klar kommen wir 5.

 

Ich brauch aber nur noch ca. 7 Stunden, dann bin ich da. Das klingt lange? Naja, wir brauchen manchmal allein 20 Minuten für unser Treppenhaus (1. Stock). Vorher noch „schnell“ die Kinder umziehen. Wegen Fruchtzwergflecken und so. Und dann noch schnell die 12 Schichten aus Jacke, Mütze, Schal, Unterhemd, Handschuhe, Matschhose und Gummistiefel anziehen.

Und noch schnell eine Tasche packen mit Snacks, Windeln, Feuchttüchern und Spielzeug. Das hast du ja alles leider nicht da. Und noch schnell eine kleine Flasche Wasser für alle, weil mit Bechern geht da manchmal was schief.  Also bringen wir das mit.

Und dann nur noch eine Herausforderung: alle ins Auto verfrachten. Das heißt alle Kinder, plus die drei Taschen und das ganze Spielzeug nach unten tragen. Und dann hoffen, dass die Kleinen auf dem Weg nicht einschlafen. Frisch geweckte Kinder sind nicht immer die freundlichsten.

 

Also kein Problem, guck du ruhig noch ein bisschen Netflix. Wir sind gleich da.

 „Eure Kinder gucken eindeutig zu viel Fernsehen“

 

Eigentlich nicht. Glaube ich zumindest. Aber wenn alles über kein Fernsehen schon zu viel ist, dann ja.

Aber wenn deine Kinder dich sonntagsmorgens um 5.30 als Trampolin benutzen, weil sie offensichtlich genug Schlaf haben, dann ist Kika einfach die beste Erfindung der Welt. Nach dem Disneychannel.

 

 „Die drei Jungs müsst ihr aber zu echten Männern erziehen“

 

Nö. Wir würden sie gerne zu guten Menschen machen. Alles andere ist Verhandlungssache.

 

„Geplant waren eure Kinder aber nicht. War bestimmt ein Unfall...“

 

Kinder sind keine Unfälle. Vor allem nicht unsere. Aber, Moment mal: Hallooo? Wie läuft´s denn bei dir so untenrum?

Warum fragst du? Weil ich nicht 40 bin? Oder weil ich mehr als ein Kind habe? Weil es nicht in dein Lebenskonzept passen würde? Ehrlich, ich möchte das verstehen...oder ne, eigentlich nicht.

 

 „Euer Leben ist jetzt aber zu Ende“

 

Ansichtssache. Ich würde sagen: das Leben geht mit Kindern erst richtig los. Also: mein Leben hat gerade erst angefangen. Manchmal frage ich mich, was ich vorher den ganzen Tag gemacht habe? Und vor allem: warum habe ich mich damals schon gestresst gefühlt? Wovon eigentlich?

 

Weißt du was?  Kinder machen das Leben einfacher. Weil sie dir die Kraft geben zu sagen: Lasst mich in Ruhe mit euren ach so wichtigen „du-musst-“, „du-sollst-“ und sonstigen Spielen, die uns das ganze Leben nehmen.

 

Und noch einmal: wenn du im Supermarkt hinter drei Kindern herläufst, die schreiend jeder in einem anderen Gang verschwinden, du dann endlich einen zu packen bekommst und dann hörst, wie im Nachbargang irgendwas zu Bruch geht, du also dahin läufst und dann von ganz woanders ein weinendes „Maaamaa?“ vernimmst und du dann noch bemerkst, dass der Joghurt in deiner Hand geplatzt ist und jetzt an deinem Pulli klebt, dann kann man das schon Leben nennen, würde ich sagen. Ich würde sagen: Mitten im Leben ;)

„Könnt ihr euch so viele Kinder überhaupt leisten?“

 

Schon schwer. Wir mussten erst mal unsere Yacht in St. Tropez verkaufen und die Wohnung in New York ist auch passé. Aber seitdem geht´s (in den meisten Monaten).

 

Es kommt natürlich immer drauf an, was man sich so leisten will: Wir werden sicherlich keinen Porsche fahren. Aber damit kommen wir gerade noch klar. (Auch wenn die Nachbarn einem dann endlich Hallo sagen würden).

 

„Ab drei Kindern ist man dann asozial.“

 

Danke.

 

 „Ihr wollt aber nicht noch mehr, oder? Also mir reicht ein Kind“

 

Schön für dich. Bei mir dürfen es ruhig noch ein paar mehr werden. Aber ich sehe schon an deinem Blick: für dich ist das in etwa so nachvollziehbar wie ein Totenkopftattoo im Gesicht. Aber vergiss nie: Punkt 7.

 

„Also wir wollen das ja in der richtigen Reihenfolge machen..“

 

Das heißt meistens: Studium beenden, Geld verdienen, ein, zwei Beförderungen, Haus gebaut und dann ein Kind. Kindernorm DIN 182938. Tüv geprüft. Stiftung Warentest sagt: So macht man das! ADAC empfiehlt: bloß nicht anders machen. (Nicht vergessen: Haftpflicht erweitern)... Ausfahrt freihalten!

 

Freiheit aushalten! Wir sind wirklich Rebellen. Die gesellschaftliche Ordnung ist in Gefahr. Das war eigentlich auch unser Plan. Ertappt. „Stell dir mal vor, wenn das jeder machen würde!“

 

Alle drei Kinder wurden geboren, als mein Mann noch studierte. Und es hat trotzdem alles gut geklappt (ok, je nachdem, wen man fragt...) Aber wir sind glücklich. Und was zählt denn sonst?

Wer sagt denn eigentlich, was richtig ist? Ich möchte da jetzt auch gar keine Verwirrung stiften, aber: es geht meistens auch anders. 

„Oh Gott, Zwillinge! Hatte ich auch. Nie wieder! Nie wieder!“

 

Aha. Mein Mann hätte gerne noch zweimal zwei, aber das behalt ich besser für mich. Mal gucken, was die Leute uns dann noch so alles sagen....

 

Eure Leo

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