Ich würde es ja selbst nicht glauben: Die Trotzphase

Die Zwillinge hat es voll erwischt, wir sind mitten in der Trotzphase.

Wenn mir damals Leute beim ersten Kind von der ach so schlimmen Trotzphase erzählt haben, dachte ich immer: Als ob! Die übertreiben bestimmt. Das bekomme ich jetzt zurück. Und fühle nachträglich mit.

 

Wie gesagt: Bei meinem ersten Jungen gab es keine Trotzphase. Aber vielleicht habe ich sie auch einfach nicht mitbekommen, weil er als Einzelkind so verwöhnt war, dass er gar nicht trotzen musste. Keine Ahnung.

 

Aber momentan komme ich mir jeden Tag vor wie in einem Horrorfilm! Starten wir mit dem Frühstück: Die Kinder wollen Brot oder Toast. Einer der beiden möchte unbedingt Käse. Aber nach den Feiertagen war nun mal keiner mehr im Kühlschrank. „Wir haben leider keinen Käse mehr.“ Dann geht es los: Mein Kind läuft hochrot an und schreit, schreit, schreit. „Ist doch nicht so schlimm. Guck mal, wir haben noch Wurst oder Marmelade...“ Schrei, schrei, schrei. „Schatz, hör doch bitte auf zu schreien!“ Schrei, schrei...würg. „Ok, pass auf: ich hol schnell Käse.“

Was soll ich auch bitte tun? Während seiner Wutanfälle läuft er zu Hochtouren auf: Der kleine Herr war sogar schon so weit, dass er sich vor Wut übergeben hat. Unglaublich. Einfach unglaublich.

 

Der Grund war ein umgeworfener Wasserbecher. Wir saßen am Tisch und ein Twin wirft versehentlich seinen Becher um. Seine Reaktion kam wie aus der Pistole geschossen: „Ich war das nicht!“ Meine Antwort: „Ist doch nicht schlimm, das machen wir schnell weg. Aber das warst du schon.“

„Nein! Ich war das nicht!“ Schrei, schrei, schrei.

„Doch, das warst du. Aber ist doch nicht schlimm. Das passiert schon mal!“

Schrei, schrei, schrei. „Nein, das war mein Bruder!“

Äh, noch mehr nein! Die saßen nämlich zwei Meter weg. „Das warst du, Schatz. Aber alles gut, wir machen das wieder sauber.“

Schrei, würg, schrei.

In der Zwischenzeit habe ich schnell alles aufgewischt. „So, jetzt können wir essen“

Als ob: Würg, schrei, schrei, würg.

„Alles gut, es ist doch schon wieder weg!“

Würg, würg, würg. Kotz.

 

Na toll! Und das nur, weil er nicht schuld daran sein wollte, dass das Glas umgefallen ist. Seriös? Leichte Überforderung bei mir. Das geb ich zu.

Ich möchte meinen Kindern vermitteln, dass ich sie über alles liebe. Doch wie soll das gehen, wenn die zwei mir so auf der Nase rumtanzen? Ich hoffe im neuen Jahr ist das alles vorbei (als ob die ein Jahreswechsel interessieren würde...). 

Kurz danach ging es dann weiter: Die zwei hatten keinen Mittagsschlaf gemacht. Also habe ich sie um acht Uhr ins Bett gebracht. Manchmal lege ich mich dazu, bis sie eingeschlafen sind. Manchmal aber nicht. Naja, ich dachte, sie sind nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag so müde, da klappt das auch alleine. Ich gehe also zurück ins Wohnzimmer.

Die Kleinen kamen einmal aus dem Bett: „Wir sind nicht müde!“. Beim zweiten Mal hieß es: „Wir wollen noch was trinken!“ Beim dritten Mal: „Wir haben Hunger!“ Beim vierten Mal wieder: „Wir sind nicht müde!“. Beim fünften Mal: schrei, schrei, schrei. Beim sechsten, siebten, achten und neunten Mal: Schrei, schrei, schrei. Würg. Und bin selbst kurz vorm Heulen.

Mittlerweile sind es dann 22.15. „Auf ins Bett! Mama und Papa kommen auch gleich!“ Aber meine Kinder ließen sich davon nicht beeindrucken: Beim zehnten, elften, zwölften, dreizehnten und vierzehnten Mal hieß es wieder: schrei, schrei, schrei.

Ok, jetzt sind es 23 Uhr. Ich geh dann mal ins Bett. Was soll ich auch sonst tun?

 

Erziehung ist ein ständiger Spagat zwischen Grenzen ziehen und Liebe zeigen. Ich will ja klare Grenzen setzen, erziehen und Regeln vorgeben. Aber ich will meinen Kinder auch zeigen: Ich liebe dich. Ich nehme dich und deine Sorgen ernst. Dieser Spagat ist verdammt hart. Und eine Sache macht es nicht einfacher: Die Kleinen sind so unglaublich süß. Als ich hörte, wie die Kleinen um 23 Uhr durch den Flur stapften, schwor ich mir: Ich bleibe hart! Dann schaute mir einer der Twins schluchzend in die Augen und sagte: „schuldigung, Mama.“ Da war es wieder um mich geschehen.

 

Vielleicht übertreibe ich es mit dem Verständnis. Ich möchte sie aber wirklich nicht stundenlang schreien lassen. Ich habe Angst, dass sie sich dann verlassen und ungeliebt fühlen. Das könnte ich mir nicht verzeihen. Aber wo hört das Verständnis auf? Und wann tanzen sie mir nur noch auf der Nase rum?

 

Eure Leo

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