Drei Jungs? Toll! Erzieh sie zu richtigen Männern!

Wie oft durfte ich mir das schon anhören: „Du hast drei Kinder?“ „Ja, drei Jungs.“ „Klasse, dann guck, dass du sie zu richtigen Männern erziehst!“

 

What? Alles klar... was sind denn „richtige Männer“?

 

Und wenn ich drei Mädchen hätte, würden die Leute dann auch sagen: „Erzieh sie zu richtigen Frauen!“? Wahrscheinlich nicht. Dabei haben wir doch längst Girl Bosses, Feministinnen und Angela Merkel.

Ich muss die Leute enttäuschen: Ich erziehe meine Jungs nicht zu richtigen Männern. Ich erziehe meine Kinder so, wie ich das für richtig halte. Und nicht wie es andere gerne hätten. Egal ob das zu Geschlechterstereotypen passt oder nicht.

 

Und ja, meine Jungs haben eine Puppe und einen Kinderwagen, zu Weihnachten gab es eine Kinderküche. Vielleicht ist das ja meine Definition von einem „richtigen Mann“.

 

Meine Kinder sollen doch tolle Papas werden und dürfen gerne auch kochen können. (Sind der Henssler und seine Kollegen eigentlich keine Männer?) Bei uns zu Hause teilen wir uns die Erziehung und den Haushalt. Das ist für meinen Mann auch selbstverständlich. Alles andere würde ich nicht akzeptieren ;).

Viele halten verständnisvolle und empathische Männer immer noch für naiv. Wenn ich sehe, wie gutmütig und einfühlsam meine Kleinen sind, geht mir das Herz auf. Dürfen Männer etwa nicht so sein? Ich möchte meinen Jungs nicht beibringen, das zu unterdrücken und dafür ihre Ellbogen auszufahren. Ich möchte sie nicht auf den großen Konkurrenzkampf da draußen abrichten. Den gibt es nämlich auch nur, weil alle daran glauben.

 

Viele Eltern sagen mir aber: „Also mir ist es wichtig, dass mein Junge lernt, sich durchzusetzen. Das muss man ja auch für später können. Er weiß halt, was er will. Und das soll er sich auch nehmen!.“

 

Um zu wissen, was sie wirklich wollen, brauchen Kinder erst einmal Freiraum. Nur so können sie eigene Interessen entwickeln. Das klappt aber nicht, wenn wir ihnen ständig eintrichtern: „Du musst später erfolgreich sein und viel Geld verdienen. Und lass dich ja nicht unterbuttern. Die Leute da draußen sind nämlich gemein!“

Meine Kinder sollen sich nicht verstellen müssen. Wenn sie anderen freundlich begegnen, dann finde ich das toll! Sie glauben an das Gute und verhalten sich auch so. Wie könnte ich ihnen das abgewöhnen wollen? Sie müssen nicht große Karrieren machen, um sich mächtig und männlich zu fühlen. Sie sollen das machen, was sie wollen. Ihrem Herz folgen. Und welcher Beruf macht einen zum richtigen Mann? Chefarzt, Professor, Fußballer, Richter...? Meine Kinder müssen gar nichts werden, weil sie längst schon etwas sind: tolle Menschen.

 

Aber nicht nur Fremde auf der Straße möchten meine Jungs vor der „Verweiblichung“ bewahren. Auch in der Familie gibt es immer wieder Sticheleien: „Also mit den langen Haaren wirkt er aber sehr weiblich. Ihr könntet schon nochmal zum Friseur.“ Ironischerweise sind das dieselben, die abends dann Fußballern mit wehenden Mähnen zujubeln.

 

Ich glaube, dass die wirklich mutigen Menschen die sind, die ihren eigenen Weg gehen. Die Männer, die sich für ihre Familie und gegen die große Karriere entscheiden. Die Jungs, die stolz ihre langen Haare tragen und ihre Kinder vom Kindergarten abholen. Egal was die anderen sagen. Ein „richtiger Mann“ zu sein ist da schon einfacher. Einem „richtigen Mann“ klatschen nämlich alle Beifall.

 

Eure Leo

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