Die Twins werden 3 - und wir sind dankbar!

Vor ein paar Tagen wurden die Twins drei. Feiern konnten wir trotzdem nicht wirklich: Wir alle hatten über 40 Fieber. Nicht gerade das, was man sich unter einem gelungenen Geburtstag vorstellt. Deshalb hatte ich ein kleines Tief.

 

Auch bei der Geburt vor drei Jahren lief einiges schief.  Nichts war so, wie man es sich als werdende Mama wünscht. Bereits zehn Wochen vor dem errechneten Termin lag ich mit Wehen im Krankenhaus. Mit intravenösen Wehenhemmern und ganz viel Ruhe (und Langeweile) ließen sich die beiden aber noch ein bisschen hinhalten. Trotzdem kamen sie sieben Wochen zu früh.

Nach drei Wochen musste ich die Medikamente absetzen, weil ich sie schon zu lange bekam. Sofort gingen die Wehen wieder los. Ein Kinderarzt erklärte mir, dass ich in ein anderes Krankenhaus müsste. Er habe nicht genug Kapazitäten, um beide Kinder zu beatmen. Alles musste ganz schnell gehen, es hätte ja jeden Moment losgehen können. Also ging es mit dem Krankenwagen und Sirene von Krankenhaus A zu Krankenhaus B. Dort angekommen passierte erst einmal: nichts. Die Wehen gingen zurück. Falscher Alarm?

 

Doch in der Nacht ging es plötzlich los. Die Wehen wurden unerträglich. Ich wurde sofort für den OP vorbereitet. Ich hätte die Kleinen gerne natürlich geboren, aber die Ärzte sagten, das sei zu gefährlich.

Beim Aufklärungsgespräch saß mir ein bekanntes Gesicht gegenüber. Es war der Arzt, der sich schon am Mittag von mir in den Feierabend verabschiedet hatte. Nachdem er 24 Stunden am Stück gearbeitet hatte. Aus dem Feierabend war aber offensichtlich nichts geworden. Während unseres Gesprächs nickte er immer wieder ein.

 

Irgendwann funkte er die Chefärztin an, um sich mit ihr zu beraten. Die Wartezeit nutzte er, um im Nachbarbett ein bisschen zu schlafen.

Etwas später betrat die Ärztin den Raum: „Wo ist denn mein Kollege?“ Ich zeigte auf das Bett neben mir und sagte: „Der operiert mich aber sicherlich nicht, oder? Das machen bestimmt sie!“ Sie sagte: „Ne, das macht schon der Kollege.“ Meine Angst wurde geringfügig größer.

 

Im OP kam mir alles wie eine Ewigkeit vor. Dutzende Menschen wuselten um mich herum. Mir wurde schlecht. Aber es ging alles gut. Irgendwann wurden mir die Kleinen kurz gezeigt, gefühlt eine Sekunde. Anfassen durfte ich sie nicht. Der Kinderarzt fragte kurz, wer wie heißen soll und verschwand mit den Kleinen hinter einer Tür.

 

Eine halbe Stunde später wurde ich aus dem OP gerollt. Zum Glück wartete draußen meine Familie auf mich. Die Zwillinge durfte ich nicht sehen. Sie lagen auf der Intensivstation. Ich hatte gerade zwei Kinder geboren und durfte sie nicht einmal sehen. Geschweige denn sie im Arm halten oder küssen. Ich bekam totale Panik: Was war mit ihnen? Ging es ihnen gut? Das war der Anfang einer Schwangerschaftsdepression.

 

Am nächsten Tag war ich immer noch total schwach. Ich durfte die Kleinen wieder nicht sehen. Am zweiten Tag durfte wenigstens mein Mann zu ihnen und versicherte mir, dass es ihnen soweit gut ginge.

Am dritten Tag durfte ich endlich zu meinen Kindern gehen. Wobei gehen zu viel gesagt wäre: ich rollte zu ihnen. Ich war immer noch zu schwach zum Laufen. Also fuhr ich im Rollstuhl. Nichts konnte mich davon abhalten, meine Kleinen zu sehen.

 

Nach einer unendlichen Desinfektionszeremonie stand ich vor zwei Inkubatoren, in denen meine Kinder lagen. Ich durfte sie nicht berühren. Nicht in den Arm nehmen. Ich konnte nichts für sie tun. Ich wollte ihnen so gerne helfen. Ich fühlte mich so hilflos. Eine Mama muss doch ihre Kinder beschützen!

Die Atmosphäre auf der Station war hektisch: überall blinkte es, andauern piepste etwas. Ärzte liefen von einem Kasten zu nächsten. Man hörte die Hydraulik der Beatmungsgeräte. Inmitten der ganzen Hektik lagen meine Kleinen und schliefen. Ich musste weinen.

Nach vier Tagen wurden die Kleinen in ein anderes Krankenhaus verlegt. Ich hatte so eine Angst, dass ihnen auf der Fahrt etwas passieren könnte. Aber es ging alles gut. Jetzt konnte ich nicht mehr einfach den Flur runter fahren, um sie zu besuchen. Wieder musste ich warten.

 

Zwei Tage später bekam einer der Kleinen einen Lungenriss und musste operiert werden. Das war schrecklich! Er war gerade einmal zwei Hände groß. Er konnte nicht mehr selbständig atmen und wurde deshalb noch mehr verkabelt. Sein Essen bekam er ab sofort durch eine Sonde. Man konnte ihn kaum noch sehen wegen der vielen Kabel. Mein armer kleiner Schatz!

 

Bei meiner ersten Geburt lief alles super. Der Kleine kam eine Woche zu spät. Ich konnte ihn natürlich gebären und danach sofort im Arm halten. Sofort konnte ich ihn mit auf mein Zimmer nehmen und sogar zum ersten Mal stillen.

 

Daran war bei den Zwillingen nicht zu denken. Ich konnte die Milch nur abpumpen. Das habe ich auch versucht. Ich konnte ja sonst nichts für meine Kleinen tun.

Doch vor lauter Angst und Stress versiegte die Milch. Bald kam kaum noch etwas, die Kleinen kriegten zusätzlich Milchpulver. Nach sechs Wochen kam gar nichts mehr.

 

Trotzdem ging es ihnen zunehmend besser. Jeder kleine Fortschritt machte uns so unglaublich glücklich. Und endlich: nach sieben Wochen Hoffen und Bangen durften wir die Zwillinge mit nach Hause nehmen.

 

Wir hatten überhaupt keine Angst, wie es zu Hause werden würden. Wir hatten ja wochenlang auf diesen Moment hin gefiebert. Wir waren so glücklich, dass wir endlich 24 Stunden für die Kleinen da sein durften! Dass sie die ganze Zeit bei uns sein würden. Wir freuten uns schon darauf, nachts für sie aufzustehen.

 

Klar waren die Nächte bei zwei Schreihälsen kurz. Die Tage waren auch anstrengend: wickeln, Flasche machen, füttern, trösten, Schnuller suchen, baden, in den Schlaf schaukeln und dann wieder nachts aufstehen. Aber das machte uns nichts aus. Wir waren einfach froh, dass die Ärzte unsere Kinder gerettet hatten! Je munterer sie waren, desto besser. Schreien, weinen, lachen, lieben – es war wunderbar!

 

Und das dürfen wir nie vergessen: Egal wie launisch oder frech, bockig, motzig und anstrengend Kinder manchmal sind. Wir sollten dankbar sein, dass wir sie haben dürfen! Wir sollten jeden Moment mit ihnen schätzen. Auch wenn es manchmal hoch hergeht. Ist das nicht das Leben? Wir wissen nie, wie viel Zeit wir noch zusammen haben. Das liegt einfach nicht in unserer Hand.

 

Zurück zum dritten Geburtstag: In der Nacht nach der „Feier“ ging es erst richtig los. Zum Fieber kam jetzt noch eine Magendarmgrippe. Wir wechselten gefühlt 100 Mal die Bett- und Kissenbezüge. Wischten, duschten die Kleinen und putzten ihnen die Zähne. Es war wirklich anstrengend. Wir waren hundemüde. Aber jedes Mal, wenn ich daran dachte, wie die Kleinen in ihren Brutkästen lagen und um ihr Leben kämpften, war mir das egal. Ich war einfach nur froh, diese Kleinen Wesen zu haben. 

 

Eure Leo

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Kommentare: 2
  • #1

    Westwoodmuddi (Donnerstag, 08 Februar 2018 22:29)

    Es ist einfach das größte Geschenk gesunde Kinder zu haben. Es ist nicht selbstverständlich und ich bin unendlich dankbar dafür. ❤ Ihr habt tolle Jungs. Grüße aus dem Nachbarort ❤

  • #2

    Janine (Freitag, 09 Februar 2018 08:37)

    Ich bin zu Tränen gerührt. Schön, dass eure kleinen solche Kämpfer sind! Ich wünsche euch weiterhin alles Gute und viel Kraft für kleine und große Hürden �